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Tariftreuegesetz: Herausforderungen & Chancen für die Pflege

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5 Fragen an: Markus Dolatka & Philipp Rinner

Das Tariftreuegesetz wird in der Pflege aktuell stark diskutiert, denn seit dem 1. September 2022 sind die tarifgebundenen Löhne für Pflege- und Betreuungskräfte nun verbindlich zu zahlen. Eine Frage, die den Markt vor allem beschäftigt: die Refinanzierung. Markus Dolatka, Gründer und Geschäftsführer der PH Care Group GmbH, weiß um die Herausforderungen der Branche. Im gemeinsamen Gespräch sprechen wir über die aktuelle Stimmung, neue Chancen und darüber, wie Pflegedienste die Umstellung erfolgreich meistern können.

 

Markus, die neuen Regelungen zur Tariftreue stellen die Pflegebranche seit Anfang des Jahres vor große Herausforderungen. Seit dem 1. September 2022 sind die tarifgebundenen Löhne für Pflege- und Betreuungskräfte gemäß des Tariftreuegesetzes nun verbindlich zu zahlen. Du selbst bist in der Pflege gut vernetzt, wie nimmst Du die Stimmung derzeit wahr?

Aktuell herrscht eine große Verunsicherung im Markt. Grundsätzlich dient das Gesetz ja erstmal einem guten Zweck, denn die Regelungen zur Tariftreue sind im Endeffekt nur ein kleiner Teil des großen Ganzen, aber auch der, der die Pflege am meisten bewegt. Jeder Unternehmer und Wohlfahrtsverband, den ich kenne, möchte seine MitarbeiterInnen gern besser bezahlen. Ich selbst bin jemand, der sogar über die 10 Prozent-Grenze hinausgehen würde, denn die Pflege macht jeden Tag einen richtig guten Job. Aber die Frage nach der Refinanzierung ist noch nicht geklärt. Wir haben durchschnittlich – und meinen Betrieb betrifft das genauso – eine Lohnsteigerung um zwanzig bis dreißig Prozent, doch gleichzeitig ist die Refinanzierung im SGB XI-Bereich nicht gegeben. Im SGB V-Bereich, der medizinischen Pflege, haben wir die Refinanzierung noch gar nicht angeschoben. Das bedeutet für mich als Unternehmer, dass ich per Gesetz zum 01. September 2022 dazu verpflichtet bin, die Regelungen umzusetzen. Gleichzeitig habe ich aber noch keine Ahnung, was meine Umsätze für die nächsten Monate sind, aus denen ich die Erhöhung finanzieren muss. Hinzu kommt, dass es vielen Pflegediensten schon vorher nicht gut ging und ich denke, jetzt ist eine Grenze erreicht, wo die Existenzen in Teilen wirklich bedroht sind und das macht vielen schlaflose Nächte.

 

Du hast beschrieben, dass die Unsicherheit im Markt derzeit groß ist. So überrascht es nicht, dass in Hinblick auf die Tariftreueregelungen vermehrt kritische Stimmen zu hören sind. Welche Herausforderungen und auch Potenziale siehst Du persönlich in Bezug auf die Neuerungen durch das Tariftreuegesetz?

Ich persönlich sehe viele Vorteile, muss ich sagen. Natürlich ist der große Nachteil die Frage nach der Refinanzierung, das ist Fakt. Aber in Zukunft werden Pflegekräfte überall in etwa gleich bezahlt. Klar ist, dass es immer Schwankungen geben wird, der eine hat einen höheren Stundenlohn, der andere bekommt Weihnachtsgeld, aber die Löhne werden sich in einem Bereich von 100 bis 110 Prozent bewegen. So werden sich MitarbeiterInnen weniger um ihr Gehalt kümmern müssen und weiche Faktoren wie Einsatzzeiten, Familienfreundlichkeit oder der Touren- und Dienstplan zukünftig eine immer größere Rolle bei der Wahl des Arbeitgebers spielen. Und ich glaube, dass dort eine große Chance besteht, sich durch gute Arbeitsbedingungen im Markt zu behaupten. Wir haben zum Beispiel ein Programm, dass wir Touren speziell auf Familienfreundlichkeit ausrichten. So können Elternteile genau in dem Zeitbereich ihre Touren fahren, wo die Kinder in der Krippe oder im Kindergarten betreut werden. Diese Fachkräfte wären vorher gar nicht am Markt gewesen und das schafft eine total positive Resonanz. Allein dadurch verstärken mittlerweile drei zusätzliche MitarbeiterInnen unser Team und mit den besseren Löhnen kann man Leute vielleicht auch motivieren, wieder in den Beruf zurückzukommen.

 

Nun haben wir über die Chancen geredet, aber wie kann ich die Tariftreueregelungen bestmöglich umsetzen? Bietet die Digitalisierung von Pflegediensten aus Deiner Sicht Möglichkeiten, die Umstellung erfolgreich zu meistern?

Digitalisierung ist aus meiner Sicht eine Pflicht. Wenn ich den Schritt noch nicht gegangen bin, habe ich heute nur noch ein relativ kleines Zeitfenster zum Digitalisieren. Denn Ziel ist es, so effizient in meinen Abläufen und Strukturen zu werden, um später mit dem, was ich an Umsätzen generiere, auch die Löhne zu zahlen. Daher glaube ich nicht mehr, dass man sich aussuchen kann zu digitalisieren. Digitalisierung ist jetzt ein Muss und nicht nur effizient, sondern auch ressourcensparend. Wenn man sich heutzutage anschaut, was Drucker-Leasing oder Papier kosten, wie umfassend die Arbeitsprozesse sind z.B. Gehaltsabrechnungen einzutüten, sind das alles Kosten, die sich sofort vermeiden kann. Und das macht meinen unternehmerischen Gewinn aus oder zumindest meine unternehmerische Flexibilität, wieder an den Markt zu kommen und hinterher auch für mich als Unternehmer meinen Lohn zu generieren. Denn da fängt man meistens als erstes an zu sparen. Ich kenne viele Pflegedienstbesitzer, die für fünf oder sechs Euro die Stunde arbeiten. Die verdienen deutlich schlechter als ihre MitarbeiterInnen. Natürlich haben sie ein auskömmliches Gehalt, aber weil sie so viel nacharbeiten müssen, ist es dann auf die Arbeitszeit gerechnet zu wenig. Und mit der Digitalisierung und passender Software habe ich alle Möglichkeiten, die Arbeitsbelastung zu minimieren. Ich muss es dann nur gut machen.

 

Markus Dolatka auf der MEDIFOX DAN Roadshow 2022 mit seinem Vortrag "Aktuelle Herausforderungen und Umsetzung des Tariftreuegesetzes in der ambulanten Pflege"

 

Philipp, als Head of Product bei MEDIFOX DAN steht die Entwicklung innovativer Software für die bestmögliche Unterstützung von Pflegekräften bei der Bewältigung ihres Alltags an oberster Stelle. Welche Funktionalitäten der MD Software sind gerade in der heutigen Zeit unentbehrlich?

Wie Markus gerade beschrieben hat, ist die Sache eigentlich ganz deutlich: Je mehr ich digital abbilde, desto besser bin ich aufgestellt und wir bei MEDIFOX DAN bieten unseren KundInnen dafür eine Lösung aus einer Hand an, auch über die Basisfunktionen hinaus. Mit den MD CarePads habe ich die Möglichkeit, digital zu dokumentieren und mit der mobilen Zeiterfassung kann ich doppelte Erfassungen vermeiden und wertvolle Zeit sparen. Mit MD Connect kann ich die Organisation meiner MitarbeiterInnen noch optimaler gestalten und dank der KI-gestützten Tourenplanung auch die Touren und Fahrten. Das betrifft aber natürlich auch weitere Prozesse, so auch den § 37.3 Nachweis. Ich kann mein Formular bequem digital ausfüllen, direkt beim Klienten abzeichnen lassen und kann es nicht nur digital an Angehörige und den Klienten verteilen, sondern habe das Dokument auch jederzeit selbst in der Software vorliegen. Mit allen Funktionen, die wir in MD Ambulant entwickeln, tragen wir zu diesem Effizienzgewinn bei, der die hohe Arbeitsbelastung in der Pflege maßgeblich reduziert.

 

Wagen wir einen Blick in die Zukunft, denn mit dem 1. September 2022 ist erst der Startschuss gefallen. Markus, inwieweit wird das neue Tariftreuegesetz die Pflegebranche aus Deiner Sicht langfristig beeinflussen?

Das Tariftreuegesetz wird die Pflegelandschaft sicherlich stark verändern. Einige Pflegedienstbesitzer sind in einem Alter, dass sie in den nächsten zwei bis drei Jahren aufhören könnten und das meiner Einschätzung nach auch machen. Viele möchten sich den zusätzlichen Druck durch die neuen Tariftreueregelungen nicht mehr antun. Diese Pflegedienste werden von großen Gruppen aufgekauft, die das Thema Tariftreue natürlich zum einen in der Verhandlung mit einer ganz anderen Stärke und auch mit gebündelten Einkäufen und Personalbuchhaltung noch einmal ganz anders bedienen können. Und ich glaube, dass sich die Pflegedienstlandschaft dadurch sehr verändern wird. Das muss nicht unbedingt besser sein, denn ich persönlich schätze die Vielfalt, das Bunte. Viele kleine Pflegedienste, die meine Kunden sind, haben vielleicht nicht die schicksten Autos oder das modernste Büro, aber die machen einfach eine richtig gute Pflege und haben eine enge Bindung an ihre KundInnen und ihre Region. Das geht heutzutage leider immer mehr verloren. Darum befürchte ich, dass wir hier einen großen Umbruch erleben werden, hoffe aber gleichzeitig, dass viele Regionen ihre pflegerische Seele nicht verlieren und sich der Herausforderung annehmen.

 

Philipp, lassen sich aus den Veränderungen auch neue Trends für digitale Lösungen wie MD Ambulant ableiten?

Wir haben unsere Ohren natürlich ganz nahe am Markt und hören, welche Herausforderungen unsere KundInnen aktuell beschäftigen. Auch mit ExpertInnen der Branche sind wir in engem Austausch und bestens vorbereitet auf alles, was im Zuge des Tariftreuegesetzes auf die Pflege zukommt. Natürlich sind nicht immer alle Entwicklungen klar für uns vorhersehbar, daher entwickeln wir unsere Software immer entsprechend der gesetzlichen Regelungen weiter und berücksichtigen neue Fragestellungen, die noch aufgeklärt werden müssen. So werden wir unseren KundInnen natürlich auch weiterhin alle Möglichkeiten bieten, die sie brauchen. Da haben wir noch viele Ideen, die wir gemeinsam mit dem Markt entwickeln und die in den nächsten Monaten folgen werden.

 

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