In dieser Podcast-Episode spreche ich mit Ulrich über die erste Jahreshälfte 2026 und die Frage, wie Pflege zukunftsfähig werden kann. Ulrich kommt ursprünglich aus der Automobilzulieferindustrie und ist 2011 durch die Erkrankung seiner Mutter in die Pflege eingestiegen.
Aus dem familiären Pflegedienst entwickelte er gemeinsam mit seiner Frau einen Komplexträger mit ambulanter und stationärer Pflege, Service-Wohnen, Demenz-Wohngemeinschaften und intergenerativer Tagespflege. Sein Blick auf die Pflege ist dadurch geprägt von einer zentralen Frage: Warum wird eine Arbeit, die täglich so viel gesellschaftlichen Wert schafft, oft nicht entsprechend gesehen und bewertet?
Pflege braucht mehr Selbstbewusstsein
Ein wichtiger Punkt im Gespräch ist der Wert der Pflege. Ulrich beschreibt seine erste Pflegesatzverhandlung als prägende Erfahrung: Während in der Industrie der Wert eines Produktes klar beziffert wird, müsse Pflege selbst bei hochsensiblen Leistungen oft um Centbeträge ringen. Für ihn zeigt das, dass Pflege ihren eigenen Wert stärker erkennen, definieren und sichtbar machen muss. Auch Francesca betont, wie wichtig es ist, Pflege eine Stimme zu geben und sie aus der Bittstellerrolle herauszuholen.
Innovationen müssen in der Praxis ankommen
Beim Blick auf 2026 sieht Ulrich einerseits politische Enttäuschung, andererseits enorme Chancen durch Digitalisierung, KI, Sensorik und Robotik. Entscheidend sei aber nicht, ob es Lösungen gibt – sondern ob sie wirklich in den Pflegealltag integriert werden. Francesca ergänzt, dass es in Deutschland rund 1.000 Start-ups im Health-Tech- und Pflegebereich gibt, viele davon aber Einzellösungen entwickeln. Was fehlt, ist der ganzheitliche Blick auf Versorgung über ambulante, teilstationäre und stationäre Grenzen hinweg.
Vom Einzelkämpfer zum Netzwerk
Viele Einrichtungen stecken im Alltag zwischen Personalmangel, Refinanzierung und wirtschaftlichem Druck fest. Deshalb, so Ulrich, müsse nicht jede Einrichtung das Rad neu erfinden. Gute Beispiele aus der Praxis sollten sichtbarer, übertragbarer und konkreter nutzbar gemacht werden. Mit der „neuen humanen Pflege“ möchte er besonders in der ambulanten Pflege Netzwerke stärken, Best Practices teilen und Einrichtungen helfen, aus der Schockstarre ins Handeln zu kommen.
Die Pflege steht 2026 an einem entscheidenden Punkt: Politisch ist vieles offen, möglicherweise auch mit Blick auf Leistungskürzungen. Gleichzeitig liegen viele Bausteine für eine bessere Pflege bereits auf dem Tisch. Entscheidend wird sein, sie sinnvoll zusammenzusetzen, in Prozesse zu integrieren und praxisnah umzusetzen. Ulrich bringt es auf den Punkt: „Die Pflege steht gerade an einem Punkt, an dem die Zukunft der Pflege entsteht.“
Besucht uns auch gern auf unserem YouTube-Kanal und lasst Eure Fragen, Anregungen und Feedback in den Kommentaren da. In diesem Sinne – einfach weiter Podcast hören, ich freue mich auf Euch.
Eure Francesca
Das könnte dich auch interessieren
Fachbeitrag
MD Stationär
Fachbeitrag
MD Ambulant
MD Stationär
Interview
MD Ambulant
MD Stationär