In dieser Podcast-Episode spreche ich mit Marco, Altenpfleger, Pflegewissenschaftler und Experte für Gewaltprävention, über ein Thema, das in der Pflege allgegenwärtig ist und dennoch viel zu selten offen diskutiert wird: Gewalt.
Gemeinsam schauen wir darauf, was Gewalt in der Pflege eigentlich bedeutet, warum sie oft nicht offensichtlich erkennbar ist und weshalb Gewaltprävention weit mehr braucht als ein Konzept im Ordner. Marco bringt dabei sowohl seine Erfahrungen aus der Pflegepraxis als auch seine wissenschaftliche Arbeit rund um das PEKo-Projekt und sein Buch zur Gewaltprävention ein.
Gewalt beginnt nicht erst bei körperlichen Übergriffen
Wenn über Gewalt gesprochen wird, denken viele zunächst an körperliche Übergriffe. Doch Gewalt in der Pflege hat viele Gesichter. Sie kann durch Worte, Vernachlässigung, Freiheitsentzug oder auch durch Strukturen entstehen, die Menschen in ihrer Selbstbestimmung einschränken.
Marco macht deutlich, dass Gewalt häufig nicht vorsätzlich geschieht. Viele Situationen entstehen aus Überforderung, Zeitdruck oder Routinen, die sich über Jahre etabliert haben. Gerade deshalb ist es wichtig, genau hinzuschauen und eigene Handlungen immer wieder kritisch zu reflektieren. Denn oft beginnt Gewalt dort, wo persönliche Grenzen überschritten werden, ohne dass dies den Beteiligten bewusst ist.
Warum Gewalt ein Tabuthema bleibt
Ob in stationären Einrichtungen, Krankenhäusern oder im häuslichen Umfeld: Über Gewalt zu sprechen fällt vielen schwer. Scham, Angst vor Konsequenzen und fehlende Fehlerkultur führen häufig dazu, dass Vorfälle nicht angesprochen werden.
Dabei zeigt sich immer wieder, dass Offenheit der erste Schritt zur Veränderung ist. Marco schildert eindrücklich, wie wichtig es ist, eine Kultur zu schaffen, in der Pflegekräfte über belastende Situationen sprechen können, ohne sofort verurteilt zu werden. Denn nur wenn Gewalt benannt werden darf, kann auch Prävention gelingen.
Gewaltprävention braucht Beteiligung
Ein zentrales Ergebnis aus Marcos Arbeit im PEKo-Projekt: Nachhaltige Gewaltprävention entsteht nicht durch Vorgaben von außen, sondern durch Beteiligung.
Pflegekräfte, Leitungskräfte, Bewohnerinnen und Bewohner sowie An- und Zugehörige müssen gemeinsam eine Haltung entwickeln und darüber sprechen, was Gewalt für sie bedeutet. Erst daraus entstehen Maßnahmen, die tatsächlich im Alltag wirken.
Das Projekt zeigt, dass Einrichtungen langfristig profitieren, wenn sie sich aktiv mit dem Thema auseinandersetzen. Wo Gewalt enttabuisiert wird, entstehen mehr Sicherheit, mehr Reflexion und ein bewussterer Umgang miteinander.
Diese Folge macht deutlich: Gewaltprävention beginnt nicht mit Perfektion, sondern mit Aufmerksamkeit. Sie beginnt dort, wo Menschen bereit sind, hinzuschauen, eigene Routinen zu hinterfragen und schwierige Themen offen anzusprechen. Besucht uns auch gern auf unserem YouTube-Kanal und lasst Eure Fragen, Anregungen und Feedback in den Kommentaren da.
Hinweis:
Gewalt in der Pflege kann Betroffene, An- und Zugehörige sowie beruflich Pflegende gleichermaßen belasten. Wenn Sie Unterstützung suchen oder über eigene Erfahrungen sprechen möchten, können Pflegeberatungsstellen, Pflegestützpunkte, Selbsthilfeangebote oder Beratungsstellen in Ihrer Region erste Anlaufstellen sein.
In diesem Sinne - einfach weiter Podcast hören, ich freue mich auf Euch.
Eure Francesca
PflegeFaktisch
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