PflegeFaktisch mit Francesca
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Klimaanpassung in der Pflege: Von der Theorie in den Alltag
Im Gespräch mit Daniel Willicke, Klimaschutz- und Anpassungsmanager, und Enver, Einrichtungsleiter einer AWO Einrichtung, erlebe ich sehr konkret, wie stark der Klimawandel den Pflegealltag prägt. Was für viele abstrakt klingt, zeigt sich in Pflegeeinrichtungen längst als Herausforderung für Gesundheit, Arbeitsfähigkeit und Organisation. Gemeinsam sprechen wir darüber, was Klimaanpassung bedeutet – und warum wir jetzt handeln.
Hitze als tägliche Belastung
Enver schildert eindrücklich, wie sich Hitzeperioden in der Praxis anfühlen: Wohnbereiche mit bis zu 40 Grad, Mitarbeitende und Bewohner*innen, die „brutal“ unter den Temperaturen leiden. Diese Situation kenne ich aus vielen Einrichtungen: Räume, die sich nicht mehr abkühlen, Nächte ohne Erholung, gefährdete Gesundheit. Daniel erklärt das wissenschaftliche Fundament: Deutschland erlebt bereits mehr Hitzetage und Tropennächte – Tendenz steigend. Für Pflege heißt das: Wir müssen Strukturen schaffen, die Menschen schützen.
Vom Workshop zur Maßnahmenplanung
In der AWO Piloteinrichtung startet der Prozess mit einer gründlichen Analyse: Wo kommt Hitze ins Gebäude? Welche Bereiche sind besonders betroffen? Ein Beteiligungsworkshop mit Kommune, Landkreis und Mitarbeitenden entwickelt daraus einen Katalog aus zehn Maßnahmen. Die Priorität liegt zunächst auf Verschattung und Begrünung, später folgen technische Anpassungen. Da Investitionsmittel früh feststehen, wird langfristig geplant – realistisch über mehrere Jahre hinweg. Klimaanpassung ist kein Sprint, sondern ein nachhaltiger Prozess.
Klimaanpassung gelingt nur gemeinsam
Was mich besonders beeindruckt: Das Thema wird in der Einrichtung von allen getragen – von der Führung bis zu Bewohner*innen. Newsletter, Workshops und offene Kommunikation sorgen dafür, dass alle den Sinn verstehen. Gleichzeitig zeigt Daniel: Wir haben kein Wissens-, sondern ein Umsetzungsproblem. Förderprogramme wie „AnPaSo“ sind entscheidend, reichen derzeit aber nicht für alle Anträge aus. Trotzdem beginnt Anpassung oft mit kleinen Maßnahmen: veränderte Raumplanung, Kühlhilfen, neue Arbeitsabläufe oder mehr Grünflächen.
Klimaschutz und Pflege gehören für mich untrennbar zusammen. Hitze gefährdet Gesundheit, erschwert Teams die Arbeit und beeinflusst die Versorgung. Einrichtungen, die sich heute auf den Weg machen, investieren in Sicherheit, Qualität und Zukunftsfähigkeit. Die Gespräche mit Daniel und Enver zeigen: Klimaanpassung ist machbar – wenn wir gemeinsam starten und Schritt für Schritt vorangehen. Und genau das motiviert mich, das Thema weiter in die Pflege zu tragen.
Besucht uns auch gern auf unserem YouTube-Kanal und lasst Eure Fragen, Anregungen und Feedback in den Kommentaren da. In diesem Sinne – einfach weiter Podcast hören, ich freue mich auf Euch.
Eure Francesca
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