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PflegeFaktisch mit Francesca

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Demenzdorf Tönbön am See – Innovation in der Versorgung von Menschen mit Demenz

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Heute spreche ich mit Kerstin, Qualitätsmanagerin der Tenburn Stiftung und Mitinitiatorin des ersten deutschen Demenzdorfs. Schon im Gespräch spüre ich, wie sehr sie für dieses Projekt brennt – und warum Tönebön am See so besonders ist.

 

Die Idee – Ein Dorf, das wirklich lebt

Kerstin erzählt mir, dass alles mit der Frage beginnt, wie man Menschen mit Demenz einen Alltag ermöglicht, der nicht nur sicher, sondern lebendig ist. Sie und ihr Team merken früh: klassische Altenheime stoßen an Grenzen – zu wenig Platz, zu wenig Alltagsnähe, zu viele feste Strukturen. Deshalb entsteht die Vision eines Ortes, der Bewegung, Orientierung und echtes Leben zulässt: ein offenes, authentisches Dorf, das bewusst gegen die klassischen Pfadstrukturen der Heime setzt.

 

Alltag im Dorf – Orientierung durch echtes Leben

Beim Betreten des Demenzdorfs lande ich nicht in einem Pflegeheim, sondern auf einem lebendigen Marktplatz: Café, Minimarkt, Friseur, Gartenanlage. Nichts ist Kulisse – alles hat echten Zweck. In den sechs Villen leben jeweils 13 Bewohnerinnen und Bewohner. Hier wird gekocht, gewaschen, geschnippelt. Geräusche, Gerüche und Routinen bieten Orientierung. Alltag wird nicht „gebastelt“, sondern gelebt – von Kartoffeln schälen bis Kaffeeduft in der Küche. Unterstützt wird das Leben von Altersgestaltern: Menschen, die den Alltag begleiten, Beziehungen aufbauen und gleichzeitig entlasten. Pflegefachkräfte sind ergänzend da, aber das Leben in der Villa entsteht durch Nähe, Präsenz und gemeinsames Tun.

 

Herausforderungen und Weiterentwicklung

Natürlich gibt es auch schwierige Momente. Herausforderndes Verhalten, emotionale Belastungen, Angehörige zwischen Nähe und Distanz – all das gehört dazu. Aber Kerstin betont: Raum, Verständnis und professionelle Schulungen helfen enorm. Die Architektur entschärft Konflikte, weil Menschen sich aus dem Weg gehen können. Und digital entwickeln sie sich weiter – Tablets, neue Angebote, moderne Aktivierung: alles wird stetig angepasst, ohne das Konzept zu verlieren. Der Besuch im niederländischen Hogeweyk inspiriert das Team, aber bestärkt sie vor allem darin, ihren eigenen Weg zu gehen: offen statt geschlossen, authentisch statt inszeniert, lebensnah statt museal. 

 

Pflege, die Mut macht

Das Gespräch mit Kerstin zeigt mir erneut, wie viel möglich ist, wenn Vision auf Fachwissen trifft. Das Demenzdorf Tönebön am See bietet Menschen mit Demenz ein würdiges, echtes Leben – und uns in der Pflege eine Perspektive, wie Betreuung anders und besser funktionieren kann. Es erinnert mich daran, warum wir in der Pflege mutig bleiben müssen: für mehr Lebensqualität, für mehr Menschlichkeit und für Konzepte, die Zukunft haben.
Bis dahin, einfach weiter Podcast hören,

 

Eure Francesca
 


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